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Gérard Alamargot et Georg Bläsi: Des voisins mystérieux

C’est un livre facile après la première année de français. C’est l’histoire de cinq jeunes, qui s’appellent Nicole, Pierre, Marc, Chantal et Steffi. Nicole et Pierre vont faire du camping avec leurs cousins Marc et Chantal.

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White Horse Theatre 2011

THEATERTAGE AM LEIBNIZ-GYMNASUM

Es ist das siebte Jahr, dass das White Horse Theatre – Europas größtes Theaterunternehmen, das sich der Theaterpädagogik verschrieben hat und seine Schauspieltruppen durch Europa und selbst nach Japan schickt – mit drei Stücken am Leibniz-Gymnasium Altdorf gastierte.
In allen drei Dramen, die von Autor Peter Griffith verfasst oder für die Bühne adaptiert wurden, ist der Held (oder Anti-Held) ein Kind, das je nach seinem sozialen Kontext Opfer von Gewalt, Erniedrigung oder Rollenclichés ist.

In „The Weasel in the Sack“, dem Stück für die jüngsten Zuschauer und Peter Griffiths Aschenputtel-Version, wird Fred von ihren garstigen Brüdern Algernon und Marmaduke gepiesackt. Sie ist es, der alle Hausarbeit zukommt, die beschimpft und verspottet wird, „just a silly little girl“ eben. Währenddessen brüsten sich die Brüder ob ihrer Tapferkeit, Stärke und Klugheit, und der dicke Marmaduke („hat der ´ne Wampe“, staunt ein Sechsklässler) hält sich gar für schön.
Und wie es im Märchen sein muss, schickt die Witwe Grump die beiden Söhne in die Welt hinaus, um Geld für die Familie herbei zu schaffen. Auf ihrer Quest treffen sie eine Bettlerin, deren Armut wie erwartet ihr verschlossenes Herz nicht anrührt. Sie aber hält die große Prüfung für sie bereit: wenn sie den schrecklichen Drachen besiegen, erwartet sie eine Höhle voller Gold, sollten sie unterliegen, werden sie dem Untier sieben Jahre dienen. Dem Rauch und dem Furcht erregenden Spektakel des grünen Plüschdrachens sind die Grump-Brüder natürlich nicht gewachsen...
Indessen zieht Fred/Cinderella beherzt aus, um irgendwie die Armut der Familie zu lindern. In ihrer Warmherzigkeit verschenkt sie den letzten Penny an die Bettlerin. Auch sie soll sich auf den Drachenkampf einlassen, nur gibt die Frau ihr eine Flöte, mit der es ihr gelingt, wie Orpheus die Furien zu besänftigen. So erhält sie das Gold und feiert fröhlich ihren Sieg mit den Dorfbewohnern beziehungsweise einigen Schülern, die begeistert und ganz ohne Scheu den Reigen mittanzen.
Die Brüder schickt Fred nach Hause zur Mutter. Noch immer haben die Halunken ihre Lektion nicht gelernt, sie geben vor, das Geld selbst erworben zu haben und planen sogar Freds Tod: Wie ein Tier wollen sie das Mädchen in einen Sack stecken und es ertränken. Und wieder rettet die Bettlerin – die in Wahrheit Königin und Freds Mutter ist – ihr das Leben. Sehr zur Gaudi der Schüler stecken die drei Frauen nun die bösen Buben in den Sack - ``weasels“ sind im Englischen auch „Drückeberger“ und „Dummschwätzer“ - und kitzeln sie so lange, bis sie versprechen, sich zu benehmen – welch liebenswerte Erziehungsmethode!

Beeindruckend die Präsenz und das temperamentvolle Spiel der vier Akteure, ihre Wortgewalt, mit der es ihnen gelingt, sich Kindern im zweiten Englischjahr spielend verständlich zu machen, und ihre Fähigkeit, eine Turnhalle für eine Stunde in ein Märchenland zu verzaubern.
Eher alptraumhaft geht es in „Sticks and Stones“ zu, dem Stück für die Mittelstufe, das  das Phänomen des ``mobbing“ zum Thema hat. Durch einen – der antiken Tragödie entliehenen - „Chor“ ist das Drama sehr klar in sechs Szenen strukturiert, die jeweils einen Aspekt der Gewalt in den Mittelpunkt stellen.
Auf dem Weg zur Schule wird Tony regelmäßig von Gleichaltrigen verprügelt, bespuckt und bestohlen. Ruth ist neu in ihrer Klasse und wird Opfer verbaler Gewalt. Sie wird von Lauren und deren „Satelliten“ Sally, Sandra and Susie – ein alliterierendes Schlangen-S? - als Fatty bezeichnet, obwohl sie nicht wirklich übergewichtig ist. Man macht demütigende Witze über sie, beschmiert ihre Hefte, drängt sie in die Außenseiterposition. Doch auch „Täter“ Jim Jarvis, der scheinbar unerschrockene Bandenchef, ist als Sohn eines alkoholabhängigen Vaters, der ihn (und auch die Mutter) schlägt, Opfer physischer Gewalt. So wird den Schülern der Teufelskreis der Aggression vor Augen geführt wie auch die Schwierigkeit diesen aufzubrechen; denn Eltern und Lehrer sind den drangsalierten Jugendlichen oft keine Hilfe. Tonys Mutter reagiert reichlich unsensibel auf seine Nöte, Ruths Lehrer ist eher ratlos, und überhaupt hat eine Aussprache mit dem Lehrer oft nur wieder die Gewalt der Schüler zur Folge, die sich rächen wollen. Die Opfer entwickeln Ängste, wie Tony, der nicht mehr aus dem Haus gehen möchte, kompensieren ihre Hilflosigkeit mit Heldenphantasien oder verlieren allen Lebensmut wie Ruth, die einen Selbstmordversuch unternimmt.
Sticks and Stones stellt einen meist viel zu wenig beachteten Aspekt des Mobbing in den Vordergrund: die Zuschauer und auch die Wegseher, die sich entweder im Dunstkreis der Gewalttäter stark fühlen oder aber Angst haben, Stellung gegen sie zu beziehen, um nicht selbst Ziel von Übergriffen zu werden. Auf sie aber setzen die Schauspieler des White Horse Theatre; und so geht der Aufruf an die Schüler, sich von ihren Plätzen zu erheben, falls sie bereit sind, mutig gegen Gewalt einzutreten. Es hat die meisten Schüler schon ein wenig Mut gekostet, im wahrsten Sinne des Wortes „Stellung“ zu beziehen...
Der Knabe Oliver Twist wird gleich in ein Milieu sozialer Gewalt hinein geboren. Nachdem seine Mutter Agnes bei seiner Geburt im Armenhaus stirbt, ist er der Obhut, besser Willkür, der Behörden überlassen. Gemäß dem 1834 verabschiedeten Poor Law Act konnte im frühviktorianischen England Sozialhilfe nur noch im Armenhaus bezogen werden. Dort herrschten qualvolle Enge, gnadenlose Ausbeutung und Unterdrückung, arm sein galt per se als ungehörig und „gesetzeswidrig“, wurde kriminalisiert. So geht Peter Griffths Bühnenfassung von Charles Dickens` Roman sehr schnell in medias res, zu der berühmten Szene, in der Oliver nach mehr Essen verlangt. Mr. Bumble, ausführendes Organ des unsozialen Systems, verkauft daraufhin Oliver an einen Sargmacher, dessen Familie ihn nicht minder quält als er. Oliver kann fliehen, gerät aber in Fagins Fänge, dem „König der Taschendiebe“ in Londons Unterwelt, der keine Skrupel hätte den Jungen zu töten. Das gute England, die Oberschicht, an deren soziales Gewissen Charles Dickens rühren möchte, die, die für die Abschaffung der Sklaverei in den Kolonien, der Kinderarbeit in den Fabriken der Industriellen und der Deportation für lächerliche Vergehen nach Australien sind, wird durch Mr. Brownlow vertreten. Er nimmt sich Olivers an, nachdem er unschuldig verhaftet wird. Zum ersten mal erfährt Oliver menschliche Güte, zum ersten Mal kann er sich satt essen. Doch das Drama, das Spiel von Gut und Böse, nimmt seinen Lauf. Fagin lässt Oliver fangen, sperrt ihn ein und schickt ihn Wochen später zu einem Hauseinbruch, wo er angeschossen wird. Wieder wird er von guten Leuten gesund gepflegt, diesmal von Mrs. Maylie, der Hauseigentümerin, die auch mit Mr. Brownlow in Verbindung steht. Eine neue Intrige bedroht Olivers Glück; sein Bruder Monks beauftragt Fagin den Jungen zu entführen, um sich dessen Erbe zu sichern. Hilfe kommt Oliver von Nany, dem „Kind der Unterwelt“, die aber den Ganoven Sikes liebt, von dem sie schließlich umgebracht wird, bevor sie eine Chance hat, vielleicht ganz die Seiten zu wechseln. Wie im Märchen siegt die Gerechtigkeit: Sikes erhängt sich, Fagin wird verhaftet und Monks flieht in die Kolonien. Oliver aber wird von Brownlow adoptiert und ist durch sein Erbe der Armut enthoben.

Nach den Gesetzen der Psychologie mag Oliver Twist nicht immer wahrscheinlich sein, doch beruht der Charme und die Überzeugungskraft des Romans/Dramas sicher auf der Unschuld, der moralischen Unantastbarkeit und der manchmal fast pikaresken Unbekümmertheit, mit der Oliver den Widrigkeiten seines Lebens im England des 19. Jahrhunderts begegnet.
Sich Olivers Kümmernissen und Hoffnungen zu nähern war die Aufgabe des Theater-Workshops mit Mrs. Diana Jackson, an dem rund 25 Zehntklässler vor der Aufführung teilnehmen konnten. Mrs. Jackson arbeitete auch mit einer Gruppe von Lehrern, um Shakespeare so lebendig und spannend unterrichten zu können, wie es seine Dramen sind. Denn für die nächste Spielsaison steht Shakespeares Much Ado About Nothing auf dem Programm, Viel Lärm um Nichts, wobei das White Horse Theatre eher „wenig Lärm um viel“ macht...

Text, Foto: Regina Sorek

 


Zuletzt geändert am 21.01.2012 durch André Helmcke
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