Am Leibniz-Gymnasium gibt es seit einigen Jahren eine Gruppe von Eltern, die gemeinsam mit Bernd Mittenzwei als Vertreter der Lehrkräfte 


regelmäßig Themenabende zu Fragen der Erziehung veranstaltet. Unter dem Motto „Erziehung gemeinsam gestalten“ tauschen sich Pädagogen und Eltern aus, Vorträge einzelner Lehrkräfte oder anderer Referenten regen zur Diskussion an.
Der letzte Abend, zu dem sich erfreulich viele interessierte Lehrkräfte und Eltern einfanden, fand am Mittwoch, 16.3.2011, im Lehrerzimmer statt und befasste sich mit dem Thema „Lernst du noch oder lebst du schon? Lernmotivation und Lebenslust vermitteln“.
Im Folgenden finden Sie die Kerngedanken des Impulsreferats, das sich mit der Selbstbestimmungstheorie der Motivation der amerikanischen Psychologen Deci und Ryan beschäftigte.
Vorher und nachher fanden an den Tischen angeregte Gespräche über motivierende Situationen im eigenen Leben statt, vor allem aber über die Frage, wie wir als Erziehende Lernmotivation und Lebenslust der Kinder und Jugendlichen stärken können.
Einige Aspekte, die sich aus diesen Gesprächen ergaben, wurden auf den abgebildeten Plakaten festgehalten.
Die Selbstbestimmungstheorie von Deci und Ryan
Drei angeborene psychische Bedürfnisse bestimmen den Grad der Selbstmotivation wie auch der seelischen Gesundheit:
- Kompetenz
- Autonomie
- Beziehung
„Die Frage, ob Menschen aus innerem Antrieb oder durch äußeren Druck handeln, ist von zentraler Bedeutung. Erstere erzielen deutlich höhere Leistung, Ausdauer und Kreativität.“
Intrinsische Motivation
- Intrinsische Motivation spiegelt wie kein anderes Phänomen die positiven Kräfte im Menschen. Sie ist von größter Bedeutung für gesellschaftliche Entwicklungen und individuelle Lebensfreude.
- Sie besteht dann, wenn eine Person eine Hand-lung um ihrer selbst Willen ausführt.
- Intrinsisch motivierte Handlungen sind der Proto-typ des selbstbestimmten Verhaltens.
Extrinsische Motivation
- Handeln mit dem Ziel positive Konsequenzen herbeizuführen oder negative Folgen zu vermeiden
- Auch primär extrinsisch motiviertes Verhalten kann einen hohen Anteil autonomer Regulation beinhalten.
- Dies geschieht durch Internalisierung und Integration von Werten.
- Die Selbstbestimmungstheorie unterscheidet verschiedene Formen der extrinsischen Lernmotivation:
„externale Regulation“:Eine Handlung wird ausgeführt, um eine Belohnung zu erhalten oder eine Bestrafung zu vermeiden.
„introjizierte Regulation“: Verinnerlichung externaler Faktoren, ohne sich jedoch mit ihnen zu identifizieren
„identifizierte Regulation“: Externale Einflüsse werden als eigene Ziele akzeptiert
„integrierte Regulation“: Nicht nur Identifizierung mit bestimmten Zielen und Handlungen,
sondern deren vollständige Integrierung in das eigene Selbstkonzept
Schlussfolgerungen
Alle Aspekte in der Lernumgebung, durch die Autonomie, Kompetenz und Beziehung gestärkt werden, fördern die natürliche Tendenz des Individuums, Verhaltens-weisen und Ziele zu integrieren.
Demotivation ist Resultat von:
- Nicht-Wertschätzung einer Aktivität
- Gefühl der Inkompetenz
- mangelnder Hoffnung, das gewünschte Ergebnis zu erzielen.
- destruktiven Beziehungsmustern
„Mangelhafte Unterstützung von Kompetenz, Autonomie und Beziehung sind die grundlegende Quelle von Entfremdung und Krankheit.“- Kontexte, die Autonomie, Beziehung und Kompetenz unterstützen, fördern die natürliche Tendenz, extrinsische Ziele zu internalisieren.
- Permanente Kontrolle und soziale Kälte unterdrücken die integrative Natur des Menschen und führen letztlich zu Pathologien.
„Dies ist relevant für Eltern und Erzieher, für Lehrer, Manager und Therapeuten, für Politiker und Trainer, um Quellen der Entfremdung zu diagnostizieren und sowohl Leistung als auch Wohlbefinden und persönliches Wachstum zu ermöglichen.“