Logo Leibniz-Gymnasium

LEIBNIZ-GYMNASIUM

ALTDORF

NATURWISSENSCHAFTLICH-TECHNOLOGISCHES UND SPRACHLICHES GYMNASIUM

leibniz - Unser Namensgeber

Termine.

Wer das war und was er gesagt hat...

Mensa.

Biographie

+
-

 

Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716): Der Namenspatron unserer Schule

 

„Dieser Mann allein hat Deutschland so viel Ruhm gebracht, wie Platon, Aristoteles und Archimedes zusammen Griechenland“ schreibt Denis Diderot über ihn in seiner Encyclopédie (Band 9, 1765), einem bahnbrechenden Werk der Aufklärung und französischen Revolution.

 

Gottfried Wilhelm Leibniz, der oft als letzter Universalgelehrter unserer Zeit bezeichnet wird, war eine Mann, dessen Erkenntnisdrang und schöpferische Kraft ihn dazu befähigte, auf allen Gebieten der damals bekannten Wissenschaften Leistungen von Rang zu vollbringen. Er war zugleich Philosoph, Mathematiker, Physiker und Techniker, Jurist, Historiker, Diplomat, Sprachwissenschaftler und Theologe. Durch umfangreiche Korrespondenzen mit 1100 Briefpartnern stand er mit den herausragendsten Persönlichkeiten der damaligen gelehrten Welt in Verbindung. In seinem Nachlass befanden sich über 20000 Briefe, die die UNESCO zum Weltkulturerbe erklärte. Seine Entdeckungen in den Naturwissenschaften und seine philosophischen und historischen Schriften werden bis heute von Gelehrten in aller Welt zu Rate gezogen. Als letzter großer Denker des 17. Jahrhunderts praktizierte er eine Wissenschaft des Analysierens und Verknüpfens der Zusammenhänge.

Universität_Ölgemälde Anfang 18. Jh. nach Stich von Puschner um 1714_aus Recknagel Univers. Altdorf 1998

Gottfried Wilhelm Leibniz wurde am 1. Juli 1646 in Leipzig als Sohn des Juristen Friedrich Leibniz und der Professorentochter Catharina geboren. Als er sechs Jahre alt war, starb sein Vater, und der wissensdurstige Gottfried las sich in der elterlichen Bibliothek so viel Wissen an, dass er im Alter von 15 Jahren an der Universität Leipzig aufgenommen wurde. Dort, und später in Jena, studierte er gleichzeitig die Fächer Jura, Philosophie, Mathematik und Naturwissenschaften. 1666 promovierte er glanzvoll an der Universität in Altdorf in Kirchen- und Zivilrecht mit einer Arbeit über ungewöhnliche Rechtsfälle.

 

Im Dienst des Mainzer Kurfürsten hielt er sich von 1672 bis 1676 am Hof des Königs in Frankreich und England auf, wo er führende Philosophen der Aufklärung kennenlernte und die Möglichkeit hatte, seine Erkenntnisse mit namhaften Wissenschaftlern seiner Zeit zu diskutieren.

 

1676 übernahm Leibniz in Hannover das Amt des Hofbibliothekars und ab 1691 verwaltete er auch die berühmte Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel, in der er den ersten alphabetischen Katalog anlegen ließ. Hannover bleibt bis zu seinem Tode Zentrum seines Lebens, auch wenn er eine für seine Zeit außerordentlich intensive Reisetätigkeit durch Europa entwickelte.

Mit Leibniz` Namen verbindet man wohl am häufigsten die Mathematik, obwohl er sich mit dieser anfangs nur nebenher beschäftigt hatte. Man findet ihn wieder im Leibniz-Kriterium und der Leibniz-Reihe. Am bedeutendsten jedoch ist wohl die Erfindung der Infinitesimalrechnung. Isaac Newton, der diese neue Disziplin fast zeitgleich mit Leibniz, aber unabhängig von diesem, ebenfalls entwickelt hatte, ging hierbei von physikalischen Überlegungen aus, Leibniz dagegen bevorzugte eine algebraische Herangehensweise. Genial und einfach zugleich waren die von Leibniz eingeführten Symbole, die wir heute noch benutzen, insbesondere dx, dy für „unendlich kleine“ Größen und ∫ als Integralzeichen. Auch andere mathematische Schreibweisen stammen von Leibniz, wie der Multiplikationspunkt, die Benutzung von Indizes, die Verwendung der Potenzschreibweise ax für variable Exponenten, x und vieles mehr.

 

Er entwickelte das binäre Zahlensystem, das die Darstellung aller Zahlen mit Hilfe der Null und der Eins ermöglichte und später zur Grundlage der Computersprache wurde. Auch konstruierte er eine Rechenmaschine für die vier Grundrechenarten.

Leibniz gehörte zu den großen Philosophen seiner Zeit und war ein Vordenker der Aufklärung. Die prästabilierte Harmonie ist ein prägender Begriff in seiner Philosophie. Er beschreibt Harmonie als Summe von unendlich vielen, unendlich kleinen Krafteinheiten, den sogenannten Monaden, den Urbestandteilen der Weltsubstanz, die durch Gott vereint wurden und so die Welt zusammenhalten. Leibniz geht davon aus, dass Gott alles aus dem Nichts geschaffen hat und alles, was Gott geschaffen hat, gut ist.

 

Matrikelblatt Leibniz

Leibniz Einstellung zur Religion findet Ausdruck in einem seiner wenigen gedruckten Bücher, der Theodizee. Er beschreibt darin die viel zitierte und heftig debattierte Theorie von der „besten aller möglichen Welten“, die häufig missverstanden wurde. Leibniz meinte damit nicht den damaligen Zustand der Welt, sondern, dass die Welt mit ihrem Entwicklungspotential die beste aller möglichen Welten ist.

Religionspolitisch war Leibniz ein Vordenker der Ökumene, er bemühte sich lebenslang um eine Vereinigung von Katholizismus und Protestantismus, ebenso um die Zusammenführung von Reformierten und Lutheranern.

Leibniz verfasste seine philosophischen und wissenschaftlichen Arbeiten fast vollständig in der in Deutschland am Hof üblichen französischen oder in der unter den Gelehrten verwendeten lateinischen Sprache. Im Zusammenhang mit seinen historischen Studien führte Leib-niz umfangreiche sprachwissenschaftliche Forschungen durch. Er beschäftigte sich aber auch mit der Herkunft des Germanischen und suchte nach den Ursprüngen der slawischen Sprachen.

Auf Betreiben Gottfried Wilhelm Leibniz` wurde in Berlin eine Königlich-Preußische Akademie der Wissenschaften nach englischem und französischem Vorbild gegründet, die heute noch als die Brandenburgische Sozietät der Wissenschaften existiert.

Leibniz, der über sich selbst sagte: „Beim Erwachen hatte ich schon so viele Einfälle, dass der Tag nicht ausreichte, um sie niederzuschreiben“, hatte unzählige Ideen und machte zahlreiche Erfindungen. Sein Motto „theoria cum praxi“ war ein ernstes Anliegen und seine Konstruktionen waren kühn und zukunftsweisend. So existieren Pläne über ein Unterseeboot, über ein neuartiges Kettenhemd, eine Flugmaschine, eine Witwen-, Waisen- und Brandkasse und vieles mehr. Seine bekannteste Erfindung ist die Rechenmaschine für alle vier Grundrechenarten und die dazu benötigte Staffelwalze. Jahrelang beschäftigte er sich mit der Grubenentwässerung des Oberharzer Bergbaus mit Hilfe von Windtechnik, und für den Garten des Schloss Herrenhausen in Hannover entwickelte er eine Wasserpumptechnik, die eine Fontäne von über 35 Meter Höhe speiste.

Am 14. November 1716 starb Gottfried Wilhelm Freiherr von Leibniz im Alter von 70 Jahren in Hannover.

 

Zusammenstellung: Ursula Skibbe

Zitate

ABC

Wer seine Schüler das ABC gelehrt, hat eine größere Tat vollbracht als der Feldherr, der eine Schlacht geschlagen.

 

Atheismus

Mit dem Aufhören der Gottesfurcht beginnt die Entfesselung der Leidenschaften und die Herrschaft einer Sinnesart, welche die Welt mit einer Sündflut von Blut überschwemmen wird.

 

Atheismus

Ob auch schon diejenigen einer Todsünde schuldig sind, die nicht glauben, dass ein Gott ist? Ich denke ja, und zwar nicht minder, als jene nicht zu entschuldigen sind, die das Werk eines Künstlers zerstören, dessen Existenz sie leugnen.

 

Äußerlichkeit

Ich gestehe auch, dass ich einen Fehler habe, der in der Welt als schwerwiegend gilt: nämlich häufig gegen das Zeremoniell zu verstoßen und bei der ersten Begegnung keinen allzu guten Eindruck zu machen. Wenn man auf diese Dinge großes Gewicht legt … und wenn es gilt zu trinken, um zu gelten, so wissen sie selbst, dass ich dann fehl am Platze bin.

 

Beichte

Es ist in der Tat eine große Wohltat Gottes, dass er seiner Kirche die Gewalt gegeben hat, Sünden nachzulassen und zu behalten, eine Gewalt, welche die Kirche durch die Priester ausübt, deren Amt daher ohne Sünde nicht verachtet werden kann.

 

Bewegung

Bewegung ist etwas rein Relatives. Welcher Körper bewegt erscheint und welcher nicht ist allein eine Interpretation des Betrachters.

 

Bibliothek

Es ist bekannt, dass eine Bibliothek mit wertvollen gedruckten Büchern zu den Dingen gehört, die durch einfaches Bewahren nicht bewahrt werden können, das heißt, sie ist nicht in einem guten Zustand zu erhalten, wenn sie nicht vermehrt wird.

 

Chaos

Es gibt nicht Ödes, nichts Unfruchtbares, nichts Totes in der Welt, kein Chaos, keine Verwirrung, außer einer Scheinbaren, ungefähr wie sie in einem Teiche zu herrschen schiene wenn man aus einiger Entfernung eine verworrene Bewegung und sozusagen ein Gewimmel von Fischen sähe, ohne die Fische selbst zu unterscheiden.

 

Computer

Es ist unwürdig, die Zeit von hervorragenden Leuten mit knechtischen Rechenarbeiten zu verschwenden, weil bei Einsatz einer Maschine auch der Einfältigste die Ergebnisse sicher hinschreiben kann.

 

Deutsch

Ja, es scheint, manche dieser Leute haben ihr Deutsch vergessen und Französisch nicht gelernt. Wollte Gott, es wäre jedesmal unter zehn solcher fliegenden Papiere eines, so ein Fremder ohne Lachen, ein Patriot ohne Zorn lesen könne.

 

Deutsch

Sagen sie, dass sie nach vielem Nachsinnen und Nagelbeißen kein Deutsch gefunden, so herrliche Gedanken auszudrücken gut genugsam gewesen, so geben sie wahrscheinlich mehr die Armut ihrer vermeinten Beredsamkeit als der Vortrefflichkeit ihrer Einfälle zu erkennen.

 

Ehe

Die erste natürliche Gemeinschaft ist zwischen Mann und Weib, denn die ist nötig, das menschliche Geschlecht zu erhalten.

 

Ehe

Weder Ehre, Reichtum, Schönheit oder sonst etwas dergleichen, das der Veränderung unterworfen ist, im geringsten dazu geeignet ist, eine Ehe beständig glücklich zu machen.

 

Ehrenhaftigkeit

Alles, was der Gesellschaft, das heißt dem Menschengeschlecht und der Welt nützt, ist ehrenvoll, alles, was ihr schädlich ist, schändlich.

 

Erfindung

Es lohnt sich, die Entdeckungen anderer zu studieren, dass für uns selbst eine neue Quelle für Erfindungen entspringt.

 

Erfolg

Ein großer Erfolg ist eine große Gefahr.

 

Erkenntnis

Die vollkommenste Erkenntnis ist diejenige, die zugleich adäquat und intuitiv ist.

 

Erkenntnis

Die Wege zur Erkenntnis sind interessanter als die Erkenntnis selbst.

 

Erziehung

Überlasst mir die Erziehung und in einem Jahrhundert ist Europa umgestaltet.

 

Erziehung

Man bessert das Menschengeschlecht, wenn man die Jugend bessert.

 

Evolution

Nichts geschieht auf einen Schlag; und es ist einer meiner größten und bewährtesten Grundsätze, dass die Natur niemals Sprünge macht. Das nannte ich das Gesetz der Kontinuität.

 

Existenz

Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?

 

Fachsprache

Das also steht fest, dass, was nicht in der Umgangssprache ausgedrückt werden kann, nichts wert ist.

 

Fírmung/Konfirmation

Sie setzt dem durch die Taufe begonnen Werk die Krone auf.

 

Freiheit

Wir sind um so freier, je mehr wir der Vernunft gemäß handeln, und umso geknechteter, je mehr wir uns von Leidenschaften regieren lassen.

 

Fremdsprache

Ja, es scheint, manche dieser Leute haben ihr Deutsch vergessen und Französisch nicht gelernt.

 

Fremdwort

Es ist demnach die Meinung nicht, dass man in der Sprache zum Puritaner werde und mit einer abergläubischen Furcht ein fremdes, aber bequemes Wort als eine Todsünde meide, dadurch aber sich selbst entkräfte und seiner Rede Nachdruck nehme

 

Fremdwort

Und wenn Volkswörter zur Verfügung stehen, so ist es eine Sünde, durch meist unbequeme selbst gemachte Neuwörter die behandelten Gegenstände zu verdunkeln.

 

Friede, ewiger

Der ewige Friede passt als Aufschrift über Kirchhofspforten; denn nur die Toten schlagen sich nicht mehr.

 

Gebet

O einziger, ewiger, allmächtiger, allwissender und allgegenwärtiger Gott, du einziger, wahrhafter und unbeschränkt regierender Gott: ich, dein armes Geschöpf, ich glaube und hoffe auf dich, ich liebe dich über alles, ich bete dich an, ich lobe dich, ich danke dir, und ich gebe mich auf an dich. Vergib mir meine Sünde und gib mir, sowie allen Menschen, was nach deinem heutigen Willen nützlich ist für unser zeitliches wie für unser ewiges Wohl, und bewahre und vor allem Übel!. Amen.

Geheimnis

Denn man hat über Dinge, die man nicht kennt, immer eine bessere Meinung, und Geheimnisse, die enthüllt werden, fordern oft den Spott heraus.

 

Geheimnis

Denn man hat über Dinge, die man nicht kennt, immer eine bessere Meinung, und Geheimnisse, die enthüllt werden, fordern oft den Spott heraus.

 

Gemeinwohl

Es ist eine meiner Überzeugungen, dass man für das Gemeinwohl arbeiten muss und dass man sich im selben Maße, indem man dazu beigetragen hat, glücklich fühlen wird.

 

Gemeinwohl

Es ist mein Grundsatz, für das öffentliche Wohl zu arbeiten, ohne mich zu sorgen, ob es mir jemand dankt. Ich glaube, dass man damit Gott nachahmt, der sich um das Wohl des Universums sorgt, egal ob die Menschen es anerkennen oder nicht.

 

Gemeinwohl

Alles, was der Gesellschaft, das heißt dem Menschengeschlecht und der Welt nützt, ist ehrenvoll, alles, was ihr schädlich ist, schändlich.

 

Gemeinwohl

Nicht was dein, was mein, sondern was nützt der ganzen Gemein.

 

Gerechtigkeit

Die Gerechtigkeit ist nichts anderes als die Nächstenliebe des Weisen.

 

Gerechtigkeit

Weil also die Gerechtigkeit fordert, das Wohl eines anderen um seiner selbst willen zu erstreben, und weil das Wohl eines anderen um seiner selbst willen zu erstreben bedeutet, andere zu lieben, so folgt aus der Natur der Gerechtigkeit, dass sie Liebe ist.

 

Gerechtigkeit

Die göttliche, absolute Gerechtigkeit ist nichts anderes als eine der Weisheit konforme Liebe.

 

Gewissen

Niemals habe ich um eines Gewinns willen das geringste getan, was mir mein Gewissen vorwerfen könnte.

 

Glaube

Der wahre Glaube … ist nicht nur reden, ja nicht nur denken, sondern praktisch denken, das ist tun, als wenn es wahr wäre.

 

Glück

So ist das Glück in seinem ganzen Umfang genommen die größte Lust, deren wir fähig sind, und das Unglück ebenso genommen der größte Schmerz, den wir fühlen können. Und der unterste Grad dessen, was man Glück nennen kann, ist derjenige Zustand, wo man, von jedem Schmerze frei, ein solches Maß gegenwärtiger Lust genießt, dass man mit einem geringeren nicht zufrieden sein kann.

 

Glücklichsein

Jeder Moment, in dem du glücklich bist, ist ein Geschenk an den Rest der Welt.

 

Glückseligkeit

Ein glückseliges Leben besteht darin, dass man ein vollkommenes, vergnügtes und ruhiges Gemüt hat und nutzt.

 

Glückseligkeit

Unser letzter Zweck ist die Glückseligkeit, aber das einzige geeignete Mittel für diesen Zweck ist die Tugend und Geistesbildung.

 

Gott

Gott ist der letzte Grund der Dinge, die Erkenntnis von ihm daher ebenso das Prinzip aller Wissenschaft, wie seine Wesenheit und sein Wille die Prinzipien der Dinge sind.

 

Gott

Gott ist nicht bloß tätig als die allgemeine und verborgene Vorsehung der Welt … sondern er hat auch seinen besonderen geoffenbarten Willen als oberster Gesetzgeber aller Geister ausgesprochen und durch Androhung von Lohn und Strafe als Verpflichtung allen auferlegt.

 

Gottesexistenz

Ohne GOTT (=1) ist NICHTS (=0).

 

Gottesvorstellung

Wer in göttlichen Dingen nichts glaubt, als was er mit seinem Verstande ausmessen kann, verkleinert die Idee von Gott.

 

Gottesvorstellung

Meine Absicht ist es, die Menschen von den falschen Vorstellungen zu befreien, die ihnen Gott als einen absoluten Herrscher darstellen, despotisch Macht ausübend, wenig geeignet und wenig wert, geliebt zu werden.

 

Gottvertrauen

Es genügt also, dieses Vertrauen zu Gott zu haben, dass er alles zum besten tut und dass denen, die ihn lieben, nichts schaden kann.

 

Grund

Was besteht und wirkt, muss einen Grund seines Bestehens und Wirkens haben.

 

Gute

Nur die Vorstellung des Guten, welche die entgegen gesetzte Vorstellung überwiegt, treibt stets den Willen zur Handlung an.

 

Handeln, ethisches

Gesetzt, wir halten etwas für gut, so ist es unmöglich, dass wir es nicht auch wollen; gesetzt, wir wollen es und kennen zugleich die uns zu Gebote stehenden Hilfsmittel, so ist es unmöglich, dass wir es nicht ausführen.

 

Handlung

Die Handlungen der Menschen leben fort in den Wirkungen.

 

Handlung

In Dreiviertel unserer Handlungen sind wir Automaten.

 

Induktion

Nun genügen aber alle Beispiele, die eine allgemeine Wahrheit bestätigen, mögen sie noch so zahlreich sein, nicht, um die allgemeine Notwendigkeit eben dieser Wahrheit festzustellen; denn es folgt nicht, dass, was geschehen ist, immer ebenso geschehen wird.

 

Interesse

Es gibt kein größeres Einzelinteresse, als die allgemeinen Interessen zu den eigenen zu machen.

 

Judentum

Von allen Völkern des Altertums waren es nur die Hebräer, welche öffentliche Glaubenssätze in ihrer Religion hatten. Abraham und Moses haben den Glauben an einen einzigen Gott begründet, welcher die Quelle alles Guten und der Urheber aller Dinge ist. Die Hebräer sprechen von ihm in einer, der erhabenen Substanz würdigen Weise und man staunt, die Bewohner eines kleinen Stückes der Erde aufgeklärter als den übrigen Teil der Menschheit zu sehen.

 

Katholik

Alle, die durch ihre Schuld die Kirchenspaltung bestätigen, indem sie der Wiederversöhnung gegen die Liebe Hindernisse entgegensetzen, sind wahre Schismatiker; dagegen sind diejenigen, die bereit sind, alles nur Mögliche zu tun, um auch in die äußere Gemeinschaft einzutreten, wirkliche Katholiken.

 

Katholizität

Das Wesen der Katholizität besteht nicht darin, Rom äußerlich anzugehören; sonst würden alle, die ungerecht aus der Kirche ausgeschlossen wurden, wider Willen und gegen ihre Schuld aufhören, Katholiken zu sein. Die wahre und wesentliche Gemeinschaft, die bewirkt, dass wir zu dem Körper Jesu Christi gehören, ist die Liebe.

 

Kirche

Die sechste natürliche Gemeinschaft ist die Kirche Gottes, welche auch wohl ohne Offenbarung unter den Menschen bestehen, und durch Fromme und Heilige erhalten und fortgepflanzt werden können.

 

Klarheit

Klarheit in den Worten, Brauchbarkeit in den Sachen.

 

Konversion

Ich bekenne ihnen sehr gern, dass ich um jeden möglichen Preis in der Gemeinschaft der römischen Kirche sein möchte, wenn ich es nur mit einer wahren Ruhe des Geistes und mit diesem Frieden des Gewissens vermag, den ich gegenwärtig genieße.

 

Kulturaustausch

Ohne Zweifel liegen in China zahlreiche Geheimnisse von Natur und Kunst verborgen, von denen wir nichts wissen, und es ist nur recht und billig, dass wir sie im Austausch erhalten, dass ihr Orden (Jesuiten) bereits nach China getragen hat.

 

Kulturaustausch

Unsere Missionare sollen sich bemühen im Austausch für die europäischen Wissenschaften, die sie nach China tragen, uns das chinesische Wissen zurückzubringen.

 

Kulturaustausch

Wenn die Chinesen unsere Wissenschaft gelernt haben, jagen sie eines Tages die Europäer fort, so dass es mir scheint, dass keine Gelegenheit versäumt werden sollte, sich durch einen Austausch ihrer und unserer Kenntnisse zu entschädigen.

 

Kunstwerk

Jedes Kunstwerk ist ein Gebet, es preist Gott ebenso wie die Sterne, die jede Nacht einen Lobgesang seiner Herrlichkeit anstimmen. Alle Kunst ist eine Lobpreisung Gottes.

 

Liebe

Liebe ist allumfassendes Wohlwollen, und Wohlwollen ist Gesinnung zur Liebe.

 

Liebe

Jeder Liebende strebt das Wohl der geliebten Person als solcher an.

 

Liebe

Lieben heißt, unser Glück in das Glück eines anderen zu legen.

 

Lob

Es ist mir schon Lobes genug, wenn ich nicht getadelt werde.

 

Medizin

Man erwartet so lange nichts von der Medizin, als bis man krank wird.

 

Meinung

Man hat über Dinge, die man nicht kennt, immer eine bessere Meinung; Geheimnisse, die enthüllt werden, fordern oft den Spott heraus.

 

Musik

Musik ist die versteckte mathematische Tätigkeit der Seele, die sich nicht dessen bewusst ist, dass sie rechnet.

 

Musik

Die Musik ist eine Übung in der Arithmetik, ein Akt der Seele, die gar nicht merkt, dass sie in Zahlen denkt.

 

Mystik

Halte es für einen zuverlässigen Grundsatz: Wenn der Mensch wider das mystische Leben redet, so kennt er es nicht und hat keinen Begriff von der inneren Regeneration.

 

Name, geographischer

Die ältesten sprachlichen Überreste sind in den Namen von Flüssen und Wäldern überliefert, die meist auch dann erhalten bleiben, wenn die Anwohner gewechselt haben.

 

Ökumene

Die haben nicht Gottes Liebe, die nicht die Einheit der Kirche lieben.

 

Ökumene

Wie liebenswert die Einheit der Kirche ist und wie schwere Schäden aus der Kirchenspaltung erwachsen, werden verständige Männer, die auch nur ein wenig Gefühl für Frömmigkeit haben, nicht bestreiten.

 

Ordnung

Die Ordnung, das Ebenmaß, die Harmonie bezaubert uns....Gott ist lauter Ordnung. Er ist der Urheber der allgemeinen Harmonie.

 

Ordnung

Ordnung, Proportionen, Harmonie entzücken uns, Malerei und Musik sind Beispiel dafür.

 

Person

Es gibt freilich auch zivilrechtliche Personen wie etwa Vereine; dennoch haben sie einen Willen, und zwar einen solchen, wie ihn zusammengesetzte Glieder oder natürliche Personen im Falle ihrer Uneinigkeit für eine einzige Gesamtperson gehalten wissen wollen.

 

Pflichtbewusstsein

Ich tue, was ich kann, und auch wenn mir kein Erfolg beschieden ist, werde ich trotzdem zufrieden sein. Gott wird seinen heiligen Willen vollziehen und ich habe meine Pflicht getan.

 

Philosoph

Denn die Philosophen übertreffen die schlichten Menschen nicht immer nur darin, dass sie andere Dinge bemerken als jene, sondern dass sie sie anders bemerken, nämlich mit dem Auge des Geistes, mit dem Nachdenken, Aufmerken und Vergleichen.

 

Philosophie

Ich komme nur zur Philosophie, so wie man sie einrichten und betreiben müsste - gleichermaßen um der Wahrheit wie um des Christentums willen.

 

Philosophie

Ich beginne als Philosoph und endige als Theologe. Eines meiner großen Prinzipien ist dieses, dass nichts ohne Grund geschehe. Das ist ein Prinzip der Philosophie. Im Grunde ist dies aber nichts anderes als die Anerkennung der göttlichen Weisheit, obwohl ich davon nicht an erster Stelle spreche.

 

Psychosomatik

Die Körper wirken so, als ob es keine Seelen gäbe, und die Seelen so, als ob es keine Körper gäbe; beide zusammen so, als ob sie sich gegenseitig beeiflussen.

 

Raum und Zeit

Der Raum ist die Ordnung der zur gleichen Zeit existierenden Dinge, die Zeit die Ordnung ihrer kontinuierlichen Veränderungen.

 

Raum und Zeit

Der Raum und die Materie unterscheiden sich wie die Zeit und die Bewegung. Diese Dinge sind, wenngleich voneinander verschieden, doch nicht voneinander zu trennen.

 

Rechnen

Indem Gott rechnet und seinen Gedanken ausführt, entsteht die Welt.

 

Rechenmaschine

Es ist unwürdig, die Zeit von hervorragenden Leuten mit knechtischen Rechenarbeiten zu verschwenden, weil bei Einsatz einer Maschine auch der Einfältigste die Ergebnisse sicher hinschreiben kann.

 

Regel

In Wahrheit verirren wir uns gern, führen unseren Geist spazieren und gehen Regeln und Ordnungen aus dem Wege.

 

Religion

Wer die ungeheure Bedeutung der Religion unterschätzt, arbeitet trotz aller Aufklärung nur dem Aberglauben in die Hände.

 

Religion

Wer endlich von der Wahrheit der Religion und ihren Folgerungen fest überzeugt ist und zugleich in seiner Liebe zum Menschengeschlechte dessen Bekehrung ersehnt, der wird sicherlich, sobald er unser Verfahren begriffen, gestehen müssen, daß (außer den Wundern und den Taten der Heiligen oder den Siegen eines großen Herrschers) zur Ausbreitung des Glaubens kein wirksameres Mittel gedacht werden kann, als die Entdeckung, von der hier die Rede ist. Denn wenn einmal die Missionare diese Sprache werden einführen können, dann wird auch die wahre Religion, die mit der Vernunft in genauer Übereinstimmung steht, festgestellt sein und einen Abfall von ihr wird man in Zukunft ebenso wenig zu fürchten haben, als man eine Abkehr der Menschen von der Arithmetik und Geometrie, die sie einmal gelernt haben, befürchtet.

 

Religion

Der wahre Zweck von Religion soll sein, die Grundsätze der Sittlichkeit tief in die Seele einzudrücken.

 

Religionskritiker

Damit zu spielen und öffentlich zu bekennen, was man nicht glaubt, geziemt sich weder für einen gewissenhaften noch für einen ehrlichen Mann.

 

Ritualismus

Es geschieht nur zu oft, dass die Frömmigkeit durch äußere Formen erstickt und das göttliche Licht von den Meinungen der Menschen verdunkelt wird.

 

Ruhelosigkeit

Die Ruhe ist eine Stufe zur Dummheit. Man muss stets etwas finden, was es zu tun, zu denken, zu entwerfen gilt, wofür man sich interessiert, sei es für die Öffentlichkeit oder den Einzelnen.

 

Sammlung

Ich strebe nicht danach, dass meine Sammlung sich von andern darin unterscheidet, dass man von mir sagt, ich hätte den ganzen Stoff zusammengetragen; worauf ich Wert lege, ist dass ich bringe, was die anderen noch nicht haben.

 

Schach

Die erstaunliche Logik und die mathematische Exaktheit stellen das Schachspiel auf eine Stufe mit jeder exakten Wissenschaft, während Schönheit und Bildhaftigkeit seiner Ausdrucksform im Verein mit künstlerischer Phantasie es in eine Reihe mit allen anderen Künsten rücken lässt.

 

Schach

Schach ist eine Übung der Denkfähigkeit und der Erfindungsgabe: Wir müssen nämlich überall dort, wo wir uns der Vernunft bedienen, eine ausgearbeitete Methode zum Erlangen des Ziels haben.

 

Schönheit

Schöne Dinge begehren wir, weil sie erfreulich sind. Ich definiere die Schönheit nämlich als dasjenige, dessen Betrachtung erfreut.

 

Schöpfer

Gott ist die erste Ursache aller Dinge: denn die beschränkten Dinge, wie alles, was wir sehen und erfahren, sind zufällig und besitzen nichts, was ihnen notwendige Existenz verleiht; ist es doch offenbar, dass Zeit, Raum und Materie, an sich einheitlich und gleichförmig und gegen alles gleichgültig, andere Bewegungen und Gestalten in anderer Anordnung erhalten konnten. Es gilt also, den Grund für die Existenz der Welt, als den Zusammenschluss aller zufälligen Dinge, aufzusuchen, und zwar in der Substanz, die den Grund ihrer Existenz in sich selbst trägt und die darum notwendig und ewig ist.

 

Schöpfung

Gott hätte die Welt nicht erschaffen, wenn sie nicht unter allen möglichen die beste wäre.

 

Schöpfung

Indem Gott rechnet und seinen Gedanken ausführt, entsteht die Welt.

 

Seele

Die Seele ist der Spiegel eines unzerstörbaren Universums.

 

Seele

Die Seele ist ein lebendiger, immerwährender Spiegel des Universums.

 

Sekte

Nichts fördert die Spaltung von Gläubigen und die Bildung von Sekten mehr als der Versuch, die Vertreter abweichender Meinungen mit Wort und Schrift zu unterdrücken. Sie können nicht besser als durch Nichtachtung bekämpft und zum Schweigen gebracht werden, so wie die Fackeln auflodern, wenn man sie herum schwingt, aber erlöschen, wenn man die Luftzufuhr verhindert.

 

Selbstbestimmung

Ich war über nichts glücklicher, als dass ich meine Studien nicht nach der Meinung anderer, sondern nach meinem eigenen Willen gestaltet hatte.

 

Selbstbeherrschung

Wir sind umso freier, je mehr wir der Vernunft gemäß handeln, und umso mehr geknechtet, je mehr wir uns von den Leidenschaften regieren lassen.

 

Selbstbeherrschung

Das Übergewicht der Neigungen entschuldigt den Menschen nicht, dass er nicht Herr seiner selbst ist. Er soll keine Kraft gebrauchen lernen, die in der Vernunft besteht.

 

Sinne

Wir gebrauchen die äußeren Sinne, wie ein Blinder seinen Stock braucht, und sie geben uns Kenntnis von ihren besonderen Objekten, d.h. den Farben, Tönen, Gerüchen, Geschmäcken und den Tastqualitäten. Dagegen geben sie uns nicht zu erkennen, was diese sinnlichen Qualitäten sind, noch worin sie eigentlich bestehen.

 

Sprache

Alles. was sich nicht mit Mitteln der Volkssprache auseinandersetzen lässt, damit ist es nichts.

 

Sprache

Das Band der Sprache, der Sitten, sogar auch des gemeinsamen Namens vereinigt die Menschen auf eine starke, wenn auch unsichtbare Weise und bewirkt eine Art Verwandtschaft.

 

Sprache

Es ist bekannt, dass die Sprache ein Spiegel des Verstandes, und dass die Völker, wenn sie den Verstand hoch schwingen, auch zugleich die Sprache wohl ausüben.

 

Sprache

Reichtum ist das Erste und Nötigste bei einer Sprache; er besteht darin, dass kein Mangel, sondern vielmehr ein Überfluss aufscheine an bequemen und nachdrücklichen Worten, die zu allen Gelegenheiten passen, damit man alles kräftig und sachgemäß vorbringen und gleichsam mit lebenden Farben abmalen könne.

 

Sprache

Jede Rede ist umso verständlicher, je mehr ihre Ausdrücke der Volkssprache entnommen sind.

 

Staatsfeind

Gegen öffentliche Feinde im Staate ist jeder Bürger Soldat, sonst droht uns der Umsturz aller Ordnung.

 

Stoffsammlung

Ich strebe nicht danach, dass meine Sammlung sich von andern darin unterscheidet, dass man von mir sagt, ich hätte den ganzen Stoff zusammengetragen; worauf ich Wert lege, ist dass ich bringe, was die anderen noch nicht haben.

 

Substanz

Überdies ist jede Substanz gleichsam eine Welt im Ganzen und ein Spiegel Gottes oder vielmehr des ganzen Universums.

 

Talent

Man ist mit seinen Talenten Gott und dem Allgemeinwohl verpflichtet.

 

Tod

Im Schlaf und in der Ohnmacht hat uns die Natur ein Beispiel gezeigt, woraus wir schließen können, dass der Tod nicht ein Aufhören aller Funktionen ist, sondern nur eine Unterbrechung gewisser besonders deutlich bemerkbarer Funktionen.

 

Todsünde

Der Mensch, der tödlich sündigt, weiß, soweit er selbst urteilen kann, dass sein Handeln gegen das allgemeine Wohl verstößt und mit diesem nur in Einklang gebracht werden kann durch seine eigene Bestrafung; da er sie hasst, die Tat aber dennoch will, hasst er notwendigerweise das allgemeine Wohl, ja sogar die Herrschaftsordnung der Welt und sündigt insofern tödlich.

 

Todsünde

Ob auch schon diejenigen einer Todsünde schuldig sind, die nicht glauben, dass ein Gott ist? Ich denke ja, und zwar nicht minder, als jene nicht zu entschuldigen sind, die das Werk eines Künstlers zerstören, dessen Existenz sie leugnen.

 

Toleranz

Ihre abweichenden Ansichten brauchen Sie nicht zu entschuldigen; denn über seine Zustimmung kann man nicht willkürlich verfügen. Das aufrichtige Streben nach Wahrheit, die Sorgfalt in der Prüfung und die Offenheit und Mäßigung in der Aussprache muss uns beiden genug sein; denn die kann Wohlgesinnten nur förderlich und willkommen sein.

 

Übel

Man kann das Übel in metaphysischer, physischer und moralischer Hinsicht unterscheiden. Das metaphysische besteht in der einfachen Unvollkommenheit, das physische im Leiden und das moralische in der Sünde.

 

Übel, kleineres

Wie ein geringeres Übel eine Art Gut ist, ebenso ist ein geringeres Gut eine Art Übel, wenn es ein größeres Gut verhindert.

 

Unglaube

Den meisten Menschen ist es kein Ernst. Sie haben die Wahrheit nicht gekostet und stecken in einem unheimlichen Unglauben.

 

Universalismus

Alles, was der Gesellschaft, das heißt dem Menschengeschlecht und der Welt nützt, ist ehrenvoll, alles, was ihr schädlich ist, schändlich.

 

Universalismus

Ich halte den Himmel für mein Vaterland und alle wohlgesinnten Menschen für dessen Mitbürger.

 

Unsterblichkeit

Keine Kraft geht in der Welt verloren, und nicht bloß die Seelen der Menschen sind unsterblich, sondern auch alle ihre Handlungen. Sie leben fort in ihren Wirkungen.

 

Verirrung

In Wahrheit verirren wir uns gern, führen unseren Geist spazieren und gehen Regeln und Ordnungen aus dem Wege.

 

Vernunft

Das Übergewicht der Neigungen entschuldigt den Menschen nicht, dass er nicht Herr seiner selbst ist; er soll seine Kraft gebrauchen lernen, die in der Vernunft besteht.

 

Vernunft

Das Vermögen, welches die Verbindung der Wahrheiten untereinander einsieht, heißt im eigentlichen Sinne Vernunft.

 

Vernunft

Denn alle anderen Gaben können den Menschen verderben; einzig die echte Vernunft ist ihm unbedingt heilsam: an ihrer Echtheit aber wird kein Zweifel mehr aufkommen können, wenn sie sich erst überall gleich klar und gewiß, wie bisher nur in der Arithmetik, zu erweisen vermag. Dann wird jener lästige Einwand aufhören, mit dem jetzt oft einer den anderen plagt, und der manchem die Lust am Schließen und Argumentieren überhaupt benimmt. Denn statt das Argument zu prüfen, macht der Gegner wohl den allgemeinen Einwand:

Woher weißt du, dass deine Vernunft besser ist, als die meine? Welches Kriterium hast du für die Wahrheit?

Es ... gibt es kaum einen, der imstande wäre, bei einer Erwägung die ganze Tafel des Für und Wider auf beiden Seiten zusammenzurechnen, d.h. Nutzen und Nachteil nicht nur zu zählen, sondern auch gegeneinander richtig abzuwägen. Daher kommen mir zwei Streitende fast wie zwei Kaufleute vor, die einander verschiedene Kapitalien schulden, die jedoch niemals eine wechselseitige Bilanz ziehen, sondern statt dessen nur immer wieder die verschiedenen Posten ihres Guthabens herausstreichen und einige besondere Titel, ihrer Rechtmäßigkeit und Größe nach, übertreibend hervorheben wollten. Auf diese Weise freilich könnte ihr Streit niemals enden. Man braucht sich somit nicht darüber zu wundern, dass dies bisher in den meisten Streitigkeiten so geht, wo die Sache nicht klar, d.h. nicht auf Zahlen zurückgeführt ist.

 

Völkerversöhnung

Vielleicht zielt die höchste Vorsehung darauf hin, dass, während sich hoch zivilisierte, aber weitest entfernte Nationen die Hand reichen, allmählich auch die Völker der dazwischen liegenden Regionen zu einem vernunftgemäßeren Leben geführt werden.

 

Volkssprache

Alles, was sich nicht mit Mitteln der Volkssprache auseinandersetzen lässt, damit ist es nichts.

 

Vorsehung

Das Vorauswissen Gottes macht alles Kommende gewiss und bestimmt; ja seine Voraussicht und seine Vorausbestimmung, auf welche das Vorauswissen gegründet erscheint, tut noch mehr, da Gott nicht gleich dem Menschen die Ereignisse mit Gleichgültigkeit betrachten und sein Urteil anhalten kann, weil alles nur durch die Beschlüsse seines Willens und die Wirksamkeit seiner Macht zum Dasein gelangt.

 

Vorsehung

Die Irrtümer der Menschen werden durch die göttliche Vorsehung gelenkt, so dass oft schlechte Entschlüsse zum Guten führen.

 

Wahrheit

Die Menschen sind verschieden, doch die Wahrheit ist eine, und alle, die sie suchen, auf welchem Gebiet es sei, helfen einander.

 

Wahrheit

Die Wahrheit ist weiter verbreitet, als man glaubt, aber oft ist sie übertüncht, sehr oft auch eingehüllt und abgeschwächt, verstümmelt und verfälscht durch Hinzufügungen, dies sie verderben oder weniger nützlich machen. Indem man diese Spuren der Wahrheit bei den Alten, oder, um es allgemeiner zu sagen, bei den Vorgängern herausarbeitet, kann man das Gold aus dem Dreck, den Diamanten aus der Mine, das Licht aus der Finsternis gewinnen; und dies wäre in der Tat eine immerwährende Philosophie.

 

Wahrheit

Für uns gibt es nur zwei Wege, um die zufälligen Wahrheiten zu erkennen: der eine ist der der Erfahrung, der andre der der Vernunft.

 

Wahrheit

Ich habe von jeher versucht, die Wahrheit, die unter den Ansichten der verschiedenen philosophischen Sekten begraben und verstreut liegt, aufzudecken und mit sich selbst zu vereinigen, und ich glaube, von meiner Seite dazu mitgewirkt zu haben, dass wir hierein einige Schritte vorwärts gekommen sind.

 

Wahrheit

Ich nehme an, dass zwei Wahrheiten sich nicht widersprechen können, dass der Gegenstand des Glaubens die Wahrheit ist, welche Gott auf außergewöhnliche Weise offenbart hat, und dass die Vernunft die Verkettung der Wahrheiten ist, besonders jedoch (verglichen mit dem Glauben) derjenigen, zu denen der menschliche Geist auf natürliche Weise gelangen kann, ohne vom Licht des Glaubens erleuchtet zu werden.

 

Wahrheit

Und im allgemeinen bin ich der Ansicht, dass nichts wahrer ist als das Glück und nichts beglückender und angenehmer als die Wahrheit.

 

Wahrheit

Wer die Wahrheit sucht, darf die Stimmen nicht zählen.

 

Warum

Das Warum des Warums.

 

Weisheit

Weisheit ist nichts anderes als die Wissenschaft der Glückseligkeit, so uns nämlich zur Glückseligkeit zu gelangen lehrt.

 

Weg, göttlicher

Die Wege Gottes sind die einfachsten und einförmigsten, er wählt Regeln, die am wenigsten einander beschränken. Sie sind auch die erfolgreichsten, das heißt: Gott weiß stets mit den einfachsten Mitteln den größten Erfolg zu erreichen. Diejenigen also, welche Gott bei jeder Gelegenheit außerordentliche Mittel in Anwendung bringen lassen, stellen ihn dar wie einen Mann, der mit dem größten Kostenaufwande ein Haus baut, das mit weit geringeren ebenso schön und zweckmäßig hätte gebaut werden können.

 

Weite, geistige

Alles was mich körperlich oder geistig beengt, kommt daher, dass ich nicht in einer großen Stadt wie Paris oder London lebe, welche an großen Männern Überfluss haben…

 

Welt, die beste aller möglichen

Allerdings kann man sich mögliche Welten ohne Sünde und Unglück vorstellen … Aber diese selben Welten würden der unsrigen anderweitig sehr unterlegen an Güte sein.

 

Welt, Erschaffung der

Warum aber die allerbeste und ausbündigste Ordnung existiert, davon findet man den Grund in seiner Weisheit, welch ihn dieselbe hat erkennen lassen; in seiner Güte, welche ihn zur Erwählung derselben bewogen hat und in seiner Macht, wodurch er vermögend gewesen, solche aus dem Unsichtbaren an das Licht zu stellen.

 

Weltverbesserung

Ich habe immer gedacht, dass man das Menschengeschlecht bessere, wenn man die Jugend bessert.

 

Wille, göttlicher

Es scheint mir auch, dass man durch die Behauptung, die Dinge seien nicht durch eine Regel der Güte, sondern einzig durch den Willen Gottes gut, alle Liebe zu Gott und seinen ganzen Ruhm, ohne es selbst zu merken, vernichtet. Denn warum soll man ihn für seine Werke loben, wenn er bei entgegen gesetztem Tun genauso lobenswürdig wäre? Wie steht es dann mit seiner Gerechtigkeit und Weisheit, wenn nur eine gewisse despotische Macht übrig bleibt, wenn der Wille an die Stelle der Vernunft tritt und wenn, nach der Definition des Tyrannen, das Belieben des Mächtigsten als solches schon gerecht ist?

 

Wissenschaft

Der Sinn und das Kennzeichen echter Wissenschaft besteht nach meiner Meinung in den nützlichen Erfindungen, die man daraus herleiten kann.

 

Wissenschaft

Wenn es den meisten Menschen erlaubt wird, sich den allgemeinen Vergnügungen hinzugeben, wird es mir gestattet sein, für den Fortschritt der Wissenschaften zu arbeiten.

 

Wunder

Wunder sind mit der allgemeinen Ordnung im Einklang, auch wenn sie gegen untergeordnete Maximen verstoßen.

 

Zahl

Dass die Zahlen die tiefsten Geheimnisse in sich bergen - davon ist man schon seit den Zeiten des Pythagoras überzeugt.

 

Zahl

Die imaginären Zahlen sind ein wunderbarer Schatz des menschlichen Geistes, fast eine Amphibie zwischen Sein und Nichtsein.

 

Zahl

Ein altes Wort besagt, Gott habe alles nach Gewicht, Maß und Zahl geschaffen. Manches aber kann nicht gewogen werden: nämlich all das, dem keine Kraft oder Potenz zukommt, manches auch weist keine Teile auf und entzieht sich somit der Messung. Dagegen gibt es nichts, das der Zahl nicht unterworfen wäre. Die Zahl ist daher gewissermaßen eine metaphysische Grundgestalt, und die Arithmetik eine Art Statik des Universums, in der sich die Kräfte der Dinge enthüllen. Dass die Zahlen die tiefsten Geheimnisse in sich bergen - davon ist man schon seit den Zeiten des Pythagoras überzeugt.

 

Zahl

Gott freut sich der ungeraden Zahlen.

 

Zahl

Solche ewigen Wahrheiten sind die Zahlen in der Rechenkunst; die Wahrheiten der Figuren in der Messkunst, die Wahrheiten der Bewegung in der Gewichtkunst, und in der Sternkunst. Und deswegen sagt man mir Recht, dass Gott alles nach Zahl, Maß und Gewicht gemacht habe.

 

Zeitverschwendung

Ein Teil des Lebens geht zu Grunde, so oft eine Stunde verschleudert wird.

 

Zeitverschwendung

Es scheint, die allgemeine Bequemlichkeit sei nicht gut; indem sie machen, dass die Menschen ihr Leben mit ihrer Zeit gleichsam unbemerkt verlieren und es nicht genugsam brauchen noch empfinden

 

Zensur

Niemand hat weniger den Geist eines Zensors als ich. Es klingt seltsam: ich billige das meiste, das ich lese … Mir, der ich weiß, wie verschieden die Dinge genommen werden können, fällt beim Lesen meistens etwas ein, wodurch die Schriftsteller entschuldigt oder verteidigt werden.

 

Zerstreuung

Es lässt sich nicht sagen, wie außerordentlich zerstreut ich bin. Ich suche Verschiedenes in den Archiven zu ermitteln, nehme alte Papiere vor Augen und suche ungedruckte Urkunden zusammen. ... Briefe und empfange und erwidre ich in großer Zahl. Ich habe aber zugleich so viel Neues in der Mathematik, so viele Gedanken in der Philosophie und Kenntnis vieler anderer literarischer Neuigkeiten ... dass ich oft nicht weiß, was ich zuerst tun soll.

 

 

Wir bedanken uns bei Herrn Dr. Weimer für die Zusammenstellung dieser umfangreichen Zitateliste.

Siehe hierzu auch http://www.dreifaltigkeit-altdorf.de/zitate_leibniz.htm

 

Quellen:

Annette Antoine/Annette von Boetticher (Hrsg.): Leibniz Zitate. Göttingen: MatrixMedia Verlag 2007

Leibniz. Ausgewählt und vorgestellt von Thomas Leinkauf. Philosophie jetzt! Herausgegeben von Peter Sloterdijk. München: Deutscher Taschenbuch Verlag 2000

Reinhard Finster/Gerd van der Heuvel: Gottfried Wilhelm Leibniz. Hamburg: Rowohlt 2000 u.a.